Elke Röscher, Initiatorin des Näh- und Kreativ-Cafés, präsentiert eine der ehrenamtlich gefertigten Nestel-Schürzen, die für Menschen mit Demenz geeignet ist. Foto: Rinke

Elke Röscher, Initiatorin des Näh- und Kreativ-Cafés, präsentiert eine der ehrenamtlich gefertigten Nestel-Schürzen, die für Menschen mit Demenz geeignet ist. Foto: Rinke

Decken, Kissen und Schürzen zum Nesteln

Ehrenamtliche fertigen Angebote für Menschen mit Demenz

Von Marita Rinke

HEIDEN. Auf den ersten Blick sieht die Schürze, an der ein gehäkelter Topflappen, ein Schwamm, ein Einkochring und andere Küchenutensilien baumeln, schon etwas lustig aus. Doch die Schürze, die Elke Röscher fürs Foto präsentiert, ist auch nicht zum Arbeiten in der Küche gedacht. Es ist eine Nestel-Schürze. „Eine Schürze für Menschen mit Demenz“, erklärt die Initiatorin des Näh- und KreativCafés, das im Frühjahr im Pfarrheim von St. Georg seine Türen geöffnet hat.

Ursprünglich schwebte der pensionierten Hauptschullehrerin und ihren Mitstreiterinnen damals vor, Besucher bei kleinen Näharbeiten zu unterstützen und ihnen Anregungen für Handarbeiten zu geben (die BZ berichtete). „Doch so groß ist die Nachfrage noch nicht“, bilanziert die 65-Jährige. Tatenlos herumsitzen kommt für das engagierte Team allerdings auch nicht in Frage. „Wir wollen etwas Sinnvolles machen“, sagt Röscher – und entdeckte bei ihrer Suche eine Marktnische.

„Nesteldecke“ lautete das Stichwort, auf das die Heidenerin im Internet stieß. „Nesteln“ beschreibt laut Duden, den Vorgang, bei dem sich jemand mit den Fingern an etwas zu schaffen macht. Eine Eigenschaft, die bei Menschen mit Demenz zu beobachten ist. Für sie haben die Frauen nicht nur Decken in unterschiedlichen Maßen für Bett und Rollstuhl geschneidert. Als Kissen, Muff und eben auch als Themenschürzen fertigten sie Nestel-Produkte, die sie jetzt für einen guten Zweck verkaufen möchten.

Grundlage für die Arbeiten sind robuste Stoffe. Zum Teil handelt es sich dabei um Reste von Näharbeiten, zum Teil auch um alte Übergardinen, Leinen-Tücher und unmodern gewordene Kleidungsstücke, die auf diese Weise recycelt werden. Die Frauen fertigen aus diesen quadratische „Läppchen“, die sie anschließend in Patchwork-Manier zusammensetzen und abfüttern. „Es ist alles stabil genäht“, sagt Röscher und zieht zur Demonstration an einem am „Läppchen“ befestigten Apfelsinen-Netz. Es gehört zu den unterschiedlichen Materialien, mit denen die Frauen die Oberflächen ihrer Näharbeiten bestücken und an denen die dementen Senioren künftig nesteln dürfen. Da baumeln neben Netzen zum Beispiel auch Nähgarnrollen, Schlüsselanhänger, gehäkelte Bommeln und knisternde Beutelchen. An anderer Stelle ragen die Reste eines Turnschuhes, eines Reißverschlusses oder einer Gürtelschnalle aus dem Stoff. „Alles Alltagsgegenstände, die bei den älteren Menschen Erinnerungen wachrufen“, erläutert Röscher das Prinzip.

Die Freude, mit der sich die Frauen ihrer Arbeit gewidmet haben, ist den Produkten, die inzwischen die Tische im Pfarrheim füllen, anzusehen. Jedes Teil ist ein Unikat. Der Preis von 20 bis 50 Euro – je nach Größe – steht bei weitem nicht im Verhältnis zur investierten Zeit. Doch sie möchten mit den Produkte auch nichts verdienen, sondern Gutes tun.

Wer das Team des Näh- und Kreativ-Cafés unterstützen und eine der Arbeiten verschenken möchte, hat am Montag, 1. Dezember, Gelegenheit, diese zu erwerben. Parallel zum Kinder- und Jugendkleidermarkt der Aktion Gänseblümchen ist das Café im Pfarrsaal von 9 bis 11.30 Uhr und 15 bis 17.30 Uhr geöffnet. Weitere Infos gibt es bei Elke Röscher unter Tel. 02867/95450. Auch über Stoff- und Sachspenden für weitere Produkte freuen sich die Frauen.

Borkener Zeitung, 29. November 2014